Himbeerblätter fermentieren - selbst gemachter Himbeerblättertee

Himbeerblätter quetschen Inspiriert von einer Idee des Kräuterexperten Rudi Beiser, dessen Bücher ich übrigens uneingeschränkt empfehlen kann, habe ich vor einiger Zeit fermentierten Himbeerblättertee als köstlichen und gut verträglichen Schwarzteeersatz hergestellt. Und gleich eine passende Fotoanleitung erstellt - damit auch du das ganz einfach ausprobieren kannst!
 

Durch das Fermentieren verändert sich der Geschmack der Himbeerblätter deutlich: Das Aroma wird kräftiger und erinnert tatsächlich ein wenig an Schwarztee. Streng genommen handelt es sich dabei übrigens weniger um eine klassische Fermentation als um einen Oxidationsprozess. Durch das Anwelken, Zerkleinern und Quetschen werden die Blattzellen aufgebrochen. Die Inhaltsstoffe kommen mit Sauerstoff in Kontakt und das typische Aroma und die dunklere Farbe können sich entwickeln.

Wie das funktioniert, zeige ich dir Schritt für Schritt in meiner Anleitung. Viel brauchst du dafür nicht – Himbeerblätter, ein wenig Zeit und ein Nudelwalker reichen im Grunde schon aus.

Himbeerblätter fermentieren - Schritt für Schritt

1. Himbeerblätter ernten und anwelken lassen

Zuerst erntest du die sauberen und trockenen Himbeerblätter - du kannst aber auch Brombeerblätter stattdessen verwenden - und lässt sie einen Tag anwelken. Sie müssen weich und biegsam sein statt knackig-frisch. Himbeerblätter zum Fermentieren

2. Himbeerblätter schneiden und quetschen

Danach schneidest du sie grob und quetscht sie ordentlich mit dem Nudelwalker an. Dadurch werden die Blattzellen aufgebrochen und die Oxidation kann in Gang kommen. Die Blätter dürfen dabei ruhig deutlich feucht werden und sich dunkler verfärben. Himbeerblätter schneiden

Himbeerblätter mit dem Nudelwalker quetschen

3. Himbeerblätter fermentieren

Nun besprühst du die Blätter gut mit warmem Wasser und wickelst sie fest in ein Küchentuch ein. Das Ganze gibst du dann luftdicht verpackt in eine Plastiktüte oder ein dicht schließendes Gefäß. Während dieser Zeit verändern sich Farbe und Geruch deutlich. Kontrolliere die Blätter regelmäßig: Sie sollen angenehm aromatisch und teeartig riechen. Bei muffigem oder unangenehmem Geruch oder sichtbarem Schimmel gehören sie entsorgt. Bei mir sind sie meist nach 2–3 Tagen fertig. Himbeerblätter zum Fermentieren einwickeln

4. Himbeerblätter trocknen und aufbewahren

Danach solltest du den Tee möglichst rasch und trotzdem schonend trocknen. Ich habe ihn bei 40 °C für etwa 12 Stunden in meinen Dörrapparat gegeben. Im Sommer kannst du ihn natürlich auch an einem luftigen Platz trocknen lassen. Erst wenn die Blätter wirklich rascheltrocken sind, füllst du sie in ein gut schließendes Gefäß. Kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahren. Fermentierte Himbeerblätter trocknen

5. Fermentierten Himbeerblättertee zubereiten

Für eine Tasse Tee etwa 2 Teelöffel fermentierte Himbeerblätter mit heißem Wasser übergießen und ungefähr 5 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und genießen.

Tipp für heiße Tage: Der fermentierte Himbeerblättertee ist auch die Basis für meinen Himbeer-Zitronen-Eistee – ein herrlich erfrischendes Sommergetränk. Hier findest du das Rezept für den Himbeer-Zitronen-Eistee.

Ich wünsche dir einen köstlichen Teegenuss mit deinem selbstfermentierten Tee!

Himbeerblättertee in der Schwangerschaft – macht er das Gewebe wirklich weich?

Schwangere Frau in der Natur mit Tasse TeeHimbeerblättertee wird Schwangeren gegen Ende der Schwangerschaft häufig zur Geburtsvorbereitung empfohlen. Besonders oft hört man dabei die Erklärung, der Tee würde das Gewebe „weich machen“, den Muttermund auf die Geburt vorbereiten oder die Geburt erleichtern.

Kurz gesagt: Für die häufige Behauptung, Himbeerblättertee würde vor der Geburt das Gewebe „weich machen“, gibt es derzeit keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Auch ein eindeutiger geburtsvorbereitender Nutzen konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Untersucht wurden Himbeerblätter durchaus. Laborstudien zeigen, dass ihre Inhaltsstoffe die glatte Muskulatur und auch die Gebärmuttermuskulatur beeinflussen können. Die beobachteten Effekte waren allerdings nicht einheitlich und lassen keine verlässliche Aussage darüber zu, wie sich Himbeerblätter bei Schwangeren tatsächlich auswirken.

Auch die wenigen Studien an Schwangeren liefern bisher kein klares Bild. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 192 Frauen zeigte sich kein überzeugender Vorteil für den Geburtsverlauf. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 bewertete die wissenschaftliche Evidenz insgesamt als schwach. Eine kleinere Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2024 lieferte zwar einzelne interessante Hinweise, reicht aber ebenfalls nicht aus, um eine geburtsvorbereitende Wirkung sicher zu belegen.

Spannend ist auch ein Blick auf die Inhaltsstoffe: Himbeerblätter enthalten unter anderem Gerbstoffe, die grundsätzlich adstringierend, also zusammenziehend wirken. Das beweist natürlich nicht, dass Himbeerblätter keine anderen Wirkungen haben können. Eine wissenschaftlich belegte Erklärung dafür, warum sie ausgerechnet das Gewebe „weich machen“ sollen, gibt es jedoch ebenfalls nicht.

Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA führt die Geburtsvorbereitung nicht unter den anerkannten traditionellen Anwendungen von Himbeerblättern an. Aufgrund der begrenzten Datenlage wird die Anwendung während der Schwangerschaft von der EMA nicht empfohlen.

Mein Fazit: Himbeerblättertee wird traditionell zur Geburtsvorbereitung verwendet. Nach derzeitigem Wissensstand lässt sich aber weder zuverlässig sagen, dass er die Geburt erleichtert, noch ist die häufig gehörte Aussage belegt, dass er „das Gewebe weich macht“.

Quellen und weiterführende Literatur

Bowman, R. L., Taylor, J., Muggleton, S. & Davis, D. L. (2021): Biophysical effects, safety and efficacy of raspberry leaf use in pregnancy: a systematic integrative review. BMC Complementary Medicine and Therapies, 21, 56. DOI: 10.1186/s12906-021-03230-4.

Simpson, M., Parsons, M., Greenwood, J. & Wade, K. (2001): Raspberry leaf in pregnancy: its safety and efficacy in labor. Journal of Midwifery & Women's Health, 46(2), 51–59. DOI: 10.1016/S1526-9523(01)00095-2.

Bowman, R. L., Taylor, J. & Davis, D. L. (2024): Raspberry leaf (Rubus idaeus) use in pregnancy: a prospective observational study. BMC Complementary Medicine and Therapies, 24, 169. DOI: 10.1186/s12906-024-04465-7.

European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) (2014): Assessment report on Rubus idaeus L., folium. EMA/HMPC/44209/2012.