Samengomasio selber machen – wilde Samen im Gewürzglas

Im Spätsommer beginnt in meinem Garten die große Samensammelei. Ein paar Samen brauche ich für die Aussaat im nächsten Jahr, manche dürfen bleiben, wo sie sind – und einige landen in der Küche. Brennnesselsamen zum Beispiel. Oder die kleinen schwarzen Samen des Springkrauts, sofern ich beim Sammeln schneller bin als die Samenkapsel. Und dann wäre da noch die Wilde Möhre, deren Samen wunderbar aromatisch schmecken.
Irgendwann kam mir die Idee, die drei einfach in ein Gomasio zu packen. Das ist weder kompliziert noch eine bahnbrechende kulinarische Erfindung. Aber es schmeckt. Und ich mag Rezepte, bei denen man nicht zuerst zwölf Zutaten kaufen muss, von denen elf anschließend jahrelang im Küchenkastl herumstehen.
Gomasio – eigentlich ganz einfach
Gomasio stammt aus der japanischen Küche und besteht klassisch aus Sesam und Salz. Der Sesam wird geröstet und anschließend gemeinsam mit dem Salz im Mörser zerstoßen. Ich ergänze die klassische Mischung mit essbaren Wildpflanzensamen. Welche hineinkommen, hängt vor allem davon ab, was gerade reif ist und mir beim Gang durch den Garten unterkommt. Diesmal sind es Brennnessel, Drüsiges Springkraut und Wilde Möhre.
Brennnesselsamen: leicht zu sammeln und vielseitig

Wer Brennnesseln im Garten hat, hat meistens nicht nur eine. Ich für meinen Teil kann mich nicht über zuwenige beschweren. Ab dem Spätsommer hängen an den weiblichen Pflanzen ganze Büschel mit Samen. Ich schneide die Brennnesseln mitsamt den Samenständen ab, lasse sie trocknen und rebel die kleinen Samen anschließend ab. Das ist wesentlich weniger aufwendig, als es angesichts der winzigen Dinger klingt.
Geschmacklich sind Brennnesselsamen eher mild und leicht nussig - oft werden sie auch als regionale Alternative zu Chia-Samen genannt, weil sie ähnlich viele Proteine enthalten und reich an Kalzium, Vitamin A und E, sowie Eisen sind. Genau deshalb mag ich sie im Samengomasio: Sie passen gut zum gerösteten Sesam, drängen sich geschmacklich nicht in den Vordergrund und bringen wertvolle Nährstoffe mit.
Springkrautsamen: Ernten für Fortgeschrittene

Ganz anders gestaltet sich die Ernte beim Drüsigen Springkraut. Wer einmal eine reife Samenkapsel angefasst hat, kennt das Prinzip. Einmal berührt – pffft – und das Zeug fliegt in alle Richtungen. Mit etwas Übung schafft man es aber durchaus, einen Teil der Samen dort landen zu lassen, wo man ihn haben möchte.
Und die Mühe lohnt sich. Die kleinen dunklen Samen schmecken richtig gut: nussig und ein bisschen wie kleine Kerne. Das Drüsige Springkraut stammt ursprünglich aus dem Himalaya und hat sich bei uns sehr erfolgreich ausgebreitet. Sehr erfolgreich ist in diesem Fall durchaus wörtlich gemeint. Es gilt als invasiver Neophyt. Ich habe daher überhaupt kein schlechtes Gewissen, ihm ein paar Samen wegzuessen.
Wilde Möhre: klein, aber ziemlich aromatisch

Die Wilde Möhre wächst bei mir im Garten und auf den Wiesen rundherum. Im Sommer erkennt man sie gut an ihren weißen Dolden, häufig mit der kleinen dunklen „Mohrenblüte“ in der Mitte. Später zieht sich die Dolde zusammen und bildet die typischen vogelnestartigen Samenstände.
Die Samen der Wilden Möhre sind wesentlich aromatischer als Brennnessel- und Springkrautsamen. Deshalb kommen davon auch keine Unmengen ins Gomasio. Ein bisschen davon reicht schon für einen deutlich würzigeren Geschmack.
Wichtig beim Sammeln: Die Wilde Möhre gehört zu den Doldenblütlern und hat in ihrer Pflanzenfamilie einige giftige Verwandte, mit denen man keinesfalls Bekanntschaft auf dem Teller machen möchte. Wer sie nicht sicher bestimmen kann, lässt sie daher einfach weg. Das Gomasio schmeckt auch ohne sie.
Rezept: Samengomasio mit Wildpflanzensamen

Ich mache daraus keine Wissenschaft. Mein Grundrezept besteht aus sechs Teilen Sesam und einem Teil Salz. Dazu kommen ein bis drei Teile getrocknete Wildsamen – je nachdem, welche Samen ich verwende und wie intensiv die Mischung schmecken soll.
Zutaten für ein kleines Glas
- 6 TL Sesam
- 1 TL grobes Salz
- 1–3 TL getrocknete Wildpflanzensamen nach Geschmack, zum Beispiel Brennnesselsamen, Springkrautsamen und Samen der Wilden Möhre
Zubereitung
Zuerst röste ich den Sesam ohne Fett in einer Pfanne. Dabei besser dabeibleiben – zwischen „riecht wunderbar“ und „Mist, verbrannt“ liegt bei Sesam nicht besonders viel Zeit.
Die Wildsamen röste ich nur ganz kurz mit. Danach lasse ich alles abkühlen und zerstoße die Mischung gemeinsam mit dem groben Salz im Mörser. Nicht zu fein. Ich möchte schließlich Gomasio und kein staubiges Gewürzpulver. Dann kommt alles in ein sauberes, trockenes Glas – fertig.
Natürlich lässt sich die Menge problemlos vervielfachen. Ich mache lieber kleinere Portionen und mische dafür immer wieder neu. Schließlich sind auch nicht zu jeder Jahreszeit dieselben Samen zur Hand.
Was mache ich mit Samengomasio?
Ich streue es über Salate und Gemüse, auf Erdäpfel, Suppen und Aufstriche. Sehr gut ist es auch ganz unspektakulär auf einem Butterbrot. Eigentlich passt es überall dort, wo ein bisschen Salz, Röstaroma und Knusper nicht schaden können.
Und natürlich muss man sich nicht an meine Mischung halten. Wer nur Brennnesselsamen gesammelt hat, nimmt eben Brennnesselsamen. Wer keine Wilde Möhre sicher bestimmen kann, lässt sie weg. Und wer beim Springkraut fünf Minuten lang Samenkapseln zum Explodieren gebracht und am Ende ungefähr sieben Samen in der Hand hat, macht mit sieben Samen weiter. Erlaubt ist, was gefällt!